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In Sachen Humor (1): Am Versuch des Unmöglichen gescheitert

Ein Dia-Abend mit Rattelschneck im Rahmen der "lit.Cologne" / Kulturkirche Nippes, Montag, 12. März 2007

Wer oder was ist Rattelschneck? "Die ganze Süße der Jugend" – glaubt man Wiglaf Droste. Walter Moers meint schlicht: "Gott". Unter dem Namen Rattelschneck veröffentlichen die Zeichner Marcus Weimer und Olav Westphalen Cartoons, zum Beispiel jedes Wochenende in der Süddeutschen Zeitung.

Der Rattelschnecksche Stil lässt sich nicht leicht beschreiben. Jedenfalls nicht ohne zu einfallslosen Worten wie "herrlich schräg" oder voreilig und unangemessen zu Begriffen wie "Dadaismus" zu greifen.

Versuch einer Nacherzählung

Mit Kugelschreiber gezeichnet und liebevoll mit Wasserfarben koloriert möge man sich Folgendes vorstellen: Ein Kleintierkäfig, neben dem Laufrad ein Häuschen mit der Aufschrift "Zum Laufrad", davor zwei Hamster (vermutlich, es könnten aber auch Meerschweinchen sein) und der Eine spricht zum Anderen: "Kommst du mit ins Laufrad?" – Antwort: "...wenn du die Kneipe meinst."

Nicht lustig? Zum Nachzuerzählen eignen sich Comics und Karikaturen im Allgemeinen bereits nur schwerlich, Rattelschneck überhaupt nicht. Meisterhaft sind Weimer und Westphalen auf dem Gebiet des Einbildcartoons, wobei das Ziel nicht die klassische Pointe ist, sondern der Weg dorthin. Nicht das Schenkelklopfen, das vor Lachen sich Ausschütten ist es, wozu Rattelschneck animiert, eher das stille Schmunzeln und das in sich Hineinlachen.

Versuch einer Lesung

Wie soll man sich nun eine Dia-unterstützte Lesung von Rattelschneck vorstellen? Vielleicht sollte als Antwort genügen: lieber gar nicht.

Die Herren Westphalen und Weimer sind mitnichten Rampensäue, leider auch keine Entertainer. Irgendwie unbeholfen wirken sie vor (erstaunlich) großem Publikum. Fast bemüht komisch, bemüht auch um die Pointe. Mit verstellten Stimmen werden an die Wand geworfene Bildreihen vorgelesen und irgendwie kommt immer wieder der Wunsch auf, lieber selbst und für sich zu lesen, für sich zu lachen. Subtiler Witz verkommt auf der Bühne schnell zu Comedy-Klamauk und auf dem Weg nach innen bleibt das Lachen auf der Strecke.

Man kann Weimer und Westphalen nicht vorwerfen, am Unmöglichen zu scheitern. Ihre Cartoons lassen ebenso wenig erzählen wie nacherzählen. Nicht nur die Paraphrase ist tödlich für die Satire, sondern auch das Aufblasen. Kleine stechende Mücken eignen sich nicht als große trampelnde Elefanten. (Wobei in dieser Metaphorik wäre Rattelschneck eher eine dicke betrunkene Hummel.)

Was ist denn jetzt Rattelschneck eigentlich? Gemessen am Live-Auftritt? Auf dem Papier besser.

13.3.07 21:52
 


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